Der Rollstuhl bleibt am Steg. Die kostenlose Stunde ist der teure Teil.
Ein Segelclub in Galicien unterrichtet seit 2012 kostenlos angepasstes Segeln, für rund 150 000 Euro im Jahr. Die technische Barrierefreiheit ist längst gelöst — paralympisch abgelehnt wurde die Sportart trotzdem dreimal.
César Maquieira ist einundfünfzig und lebt an der galicischen Küste im Nordwesten Spaniens, wo der Atlantik über ertrunkene Täler, die rías heißen, weit ins Land greift. Den größten Teil seines Lebens hat er gefischt und gesegelt. Dann nahm eine degenerative Muskelerkrankung die Kraft aus seinen Beinen, und eine Zeit lang nahm sie mehr als das — nach seiner eigenen Schilderung kam die Depression, bevor er sich eingerichtet hatte.
2016 hörte er von einem regionalen Programm für Barrierefreiheit und stand beim Monte Real Club de Yates in Baiona zur ersten Stunde auf der Matte. Das Wetter war an dem Tag mies. Er fuhr trotzdem raus und fährt seitdem zweimal die Woche.
So knapp erzählt klingt es nach einer Geschichte über ein Boot. Es ist vor allem eine Geschichte über einen Haushaltsposten.
Was eine kostenlose Stunde kostet
Die Escuela de Vela Adaptada des Clubs eröffnete 2012 unter einem Motto, das sich als Segeln für alle übersetzen lässt. Sie läuft täglich von September bis Juni. Wer dort unterrichtet, muss vorher eine eigene Ausbildung für angepasstes Segeln absolvieren, und die Boote sind für die Aufgabe gebaut: Zweisitzer vom Typ GOS16 mit ergonomischer Sitzposition und beschwertem Kiel, damit eine Jolle, die jemand steuert, der sein Gewicht nicht gegen die Krängung setzen kann, nicht kentert. Am Steg stehen Lifter, an Land gibt es einen Theorieraum.
Ein paar Dutzend Menschen kommen im Jahr durch — mit körperlichen, sensorischen, geistigen und psychischen Behinderungen, seit einiger Zeit auch ältere Menschen, Kinder in Pflegefamilien und Frauen, die häusliche Gewalt überlebt haben. Bezahlen muss niemand.
Das Programm kostet ungefähr 150 000 Euro im Jahr, bezahlt aus Zuschüssen der Regionalregierung, aus Unternehmenssponsoring und aus der Clubkasse. Olaia Cabo Martinez, die die Schule leitet, beschreibt, was dieses Geld kauft: „Das Gefühl von Freiheit im Boot, wenn sie den Rollstuhl verlassen, ist unglaublich. Man sieht, dass sie mehr Vertrauen in sich selbst haben."
Die Sportart, der man immer wieder sagt, sie sei zu klein
Segeln war einmal paralympisch. Im Januar 2015 nahm das Internationale Paralympische Komitee es aus dem Programm von Tokio 2020. Am Interesse der Seglerinnen und Segler lag es nicht — die Sportart erfüllte die Mindestkriterien des IPC-Handbuchs zur weltweiten Verbreitung nicht. Für Paris 2024 kam sie ebenfalls nicht zurück. Am 30. Januar 2023 benannte das IPC die zweiundzwanzig Sportarten für Los Angeles 2028, ausgewählt aus dreiunddreißig Bewerbungen; Segeln war wieder nicht darunter.
World Sailing hatte die Jahre dazwischen genau mit dem verbracht, was das Kriterium verlangte. Zum Zeitpunkt der LA-Entscheidung zählte der Verband einundvierzig aktive Nationen auf fünf Kontinenten, mehr als 630 registrierte Para-Seglerinnen und -Segler sowie 210 Aktive und Trainer aus neununddreißig Ländern, die seit 2017 durch sein Entwicklungsprogramm gegangen waren. An der Antwort änderte das nichts. „Keine Sportart wurde je wieder aufgenommen, und uns war klar, dass das eine schwierige Aufgabe wird", sagte Verbandschef David Graham danach.
Rampen waren nie das Problem
Peter Jacops betreibt Sailability South Africa von Kapstadt aus und baut SV14-Jollen nach Rissen des niederländischen Konstruktionsbüros Simonis-Voogd; davor baute er barrierefreie Boote in Thailand. Angefangen hat er wegen der Tokio-Entscheidung, und er zielt auf Brisbane 2032. Jacops sagt es geradeheraus: „Das Problem ist, dass Segeln jetzt körperlich zugänglich ist, aber finanziell nicht."
In Großbritannien sagt die Disabled Sailors Association im Kern dasselbe seit 1993. Gegründet hat sie Mike Wood — nach einem Verkehrsunfall von der Brust abwärts gelähmt und einmal von einem Segelclub abgewiesen, weil er im Rollstuhl saß —, der die 20 000 Pfund seiner Entschädigung hineinsteckte. „Rollstuhlfahrer werden oft nicht mitgedacht", so beschreibt er selbst, was er ändern wollte. Heute betreibt die Vereinigung zwei Yachten mit barrierefreien Kojen und Toiletten, verleiht vierzig angepasste Jollen an Clubs und rechnet damit, mehr als 25 000 Menschen mit Behinderung aufs Wasser gebracht zu haben. Derzeit sammelt sie 2,5 Millionen Pfund für ein Boot, das eine Weltumsegelung schafft.
Was die Forschung wirklich trägt
Das Belastbarste hier handelt gar nicht vom Segeln. Jaarsma und Kollegen werteten für das Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 2014 zweiundfünfzig Studien zur Sportbeteiligung von Menschen mit körperlichen Behinderungen aus, siebenundzwanzig davon zu Querschnittlähmung. Die persönlichen Hürden waren Gesundheit und die Behinderung selbst; die umweltbezogenen waren Anlagen, Transport und das Hineinkommen. Was Menschen zum Weitermachen brachte, war schlichter: Spaß, Gesundheit und andere Leute.
Fast alles auf der Hürdenliste passiert, bevor der Sport anfängt. Ein Club, der die Gebühr streicht, den Lifter besitzt und seine Trainer selbst ausbildet, arbeitet genau an dieser Hälfte.
Dünne Belege, weiches Geld
Speziell zum Segeln ist die Forschungslage peinlich dünn. Catherine Lamont-Robinson, Val Williams und Trevor Thompson begleiteten für einen Aufsatz von 2018 im Scandinavian Journal of Disability Research acht Seglerinnen und Segler mit Behinderung auf Großseglerreisen, gestützt auf Audiotagebücher von See, an Bord entstandene Bilder und Interviews danach. Im vergangenen Jahr veröffentlichten Boarini und Kollegen in Scientific Reports eine Studie zu fünf Tagen Segelrehabilitation: acht italienische Jugendliche mit seltenen Skeletterkrankungen, tragbare Sensoren, validierte Fragebögen — und der ausdrückliche Hinweis der Autoren, dass es um Machbarkeit und Sicherheit ging, nicht um einen Wirksamkeitsnachweis. Zwei Studien, zusammen sechzehn Menschen.
Das Geld steht nicht fester. Rund 150 000 Euro im Jahr für ein paar Dutzend Teilnehmer sind teuer pro Kopf, und ein großer Teil davon sind regionale Zuschüsse, die immer nur einen Haushaltszyklus weit reichen. Ob das Modell ein schlechtes Jahr im galicischen Sporthaushalt übersteht, hat der Club nicht in der Hand.
Martinez erinnert sich an jemanden, der beim Anblick eines Seesterns weinte, und an jemand anderen, der nach einem schnellen Halbwindschlag über die Bucht im Scherz einen Heiratsantrag machte. Maquieira formuliert seinen eigenen Fall anders: „Auf dem Meer zu segeln, das ist wie ein Sprung, um bei etwas Neuem anzukommen."
Keiner von beiden beschreibt eine Therapie. Sie beschreiben einen gewöhnlichen Nachmittag, den die meisten kaufen können und manche nicht.
Quellen
- Peter Yeung, „With Adapted Sailing, the Sea Is for Everyone", Reasons to be Cheerful, 14. September 2026 — https://reasonstobecheerful.world/adapted-sailing-school/
- Escuela de Vela Adaptada, Monte Real Club de Yates Baiona — https://www.mrcyb.es/escuela-de-vela-adaptada-3/
- „No Sailing at 2028 Paralympic Games", Scuttlebutt Sailing News, 30. Januar 2023 — https://www.sailingscuttlebutt.com/2023/01/30/no-sailing-at-2028-paralympic-games/
- „US Sailing Statement On Tokyo 2020 Paralympic Sailing IPC Decision", US Sailing, 2015 — https://www.ussailing.org/news/us-sailing-statement-on-tokyo-2020-paralympic-sailing-ipc-decision/
- Jaarsma, E. A. u. a., „Barriers to and facilitators of sports participation for people with physical disabilities: a systematic review", Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports 24(6): 871–881, 2014 — https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/24730752/
- Lamont-Robinson, C., Williams, V., Thompson, T., „Pitching Perspectives on Disability: Voyage Experiences of Disabled Sailors on Tall Ships", Scandinavian Journal of Disability Research 20(1), 2018 — https://sjdr.se/articles/10.16993/sjdr.23
- Boarini, M., Banchelli, F., Fittipaldi, S. u. a., „Feasibility and safety of sailing based rehabilitation for rare skeletal disorders using wearable sensors and patient reported outcomes", Scientific Reports, 2025 — https://www.nature.com/articles/s41598-025-22231-8
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