✨

Good People Map — Karte der guten Taten. Hilf oder finde Unterstützung in der Nähe.

← Zurück zum Leuchtturm
🏮
Kultur Sep 26, 2026

Mittags blieben die Kinder der Bibliothek in Nairobi fern. Also fing die Bibliothek an zu kochen

R
Reasons to be Cheerful / World Resources Institute / Book Bunk Trust / NPR
Mitwirkender Autor

Kinder in Nairobi blieben den Bibliotheksprogrammen fern, weil sie mittags nach Hause mussten. Also gab Book Bunk Essen aus, bisher mehr als 140.000 Mahlzeiten. Wie zwei restaurierte Bibliotheken zu Treffpunkten wurden und was noch niemand gemessen hat.

Sunil Totti hatte ein Vorstellungsgespräch bei einer internationalen Techfirma vor sich und eine Sorge, die er nicht loswurde: Zu Hause in Eastleigh, einem dicht bewohnten Viertel im Osten Nairobis, fällt der Strom ohne Vorwarnung aus. Was, wenn er mitten im Gespräch wegbrach? Dann fiel ihm ein, dass er einen Ort hatte. Die Eastlands-Bibliothek, ein paar Minuten zu Fuß entfernt, hat verlässlichen Strom, kostenloses Internet, Computer und einen Saal voller Leute, die ebenfalls Arbeit suchen.

Er ist 26. Seinen Abschluss machte er 2023, zuerst in Buchhaltung, dann wechselte er zur Softwareentwicklung, und am Ende will er in die Fintech-Branche. Als Kind machte er um genau diese Bibliothek einen Bogen, weil sie, wie er sagt, ein „sehr alter, staubiger Ort“ war. Heute verbringt er an den meisten Werktagen acht oder neun Stunden dort. „Das ist eigentlich mein Arbeitsplatz“, sagte er Reasons to be Cheerful. Das Magazin veröffentlichte seine Geschichte am 25. September 2026.

Ein Festival suchte einen Saal

2017 suchten die Schriftstellerin Wanjiru Koinange und die Verlegerin Angela Wachuka einen Ort für ein Literaturfestival und sahen sich die McMillan Memorial Library im Zentrum Nairobis an. Sie fanden bröckelnde Wände, einen überfluteten Keller und Bücher, die in den Regalen verrotteten. Als sie herausfinden wollten, wer für das Gebäude eigentlich zuständig war, stießen sie auf zwei Zweigstellen in Eastlands und Kaloleni, die kaum besser aussahen. Aus dem Festival wurde nichts. Die Organisation, die sie stattdessen gründeten, heißt Book Bunk.

Das Hauptgebäude ließ Lady Lucy McMillan 1931 zum Andenken an ihren Mann bauen, einen Siedler, der 1904 zur Jagd nach Kenia gekommen war. Fast dreißig Jahre lang durften es nur europäische Siedler benutzen. 1958, wenige Jahre vor der Unabhängigkeit, ging es an den Stadtrat von Nairobi über und wurde für alle geöffnet. Die Zweigstellen in Eastlands und Kaloleni entstanden Ende der 1960er-Jahre. Von den vier Zweigstellen, die McMillan einmal hatte, sind nur diese beiden noch geöffnet.

Wem was gehört

Das Modell ist schlicht und mit Absicht unspektakulär. Das County Nairobi behält die Gebäude und bezahlt das Stammpersonal. Book Bunk treibt das Geld auf, restauriert und betreibt die Programme. Die Bibliotheken bleiben öffentlich, der Eintritt kostet nichts. Kaloleni öffnete im Juni 2020 wieder, renoviert in den ersten Monaten der Pandemie, Eastlands folgte im Juli 2021. An McMillan selbst wird gerade gearbeitet. Book Bunk beziffert die Gesamtkosten auf 7,6 Millionen Dollar, vom Dach bis hinunter in einen Keller, in dem eine seltene Sammlung vor Wasser geschützt werden muss.

Bevor entschieden wurde, was in die Regale kommt, fragte Book Bunk die Anwohner, was sie wollten. Die wünschten sich „mehr Kunst, Pflanzen und Chill-Ecken“, Kurse in Gebärdensprache sowie in digitaler Kompetenz und Steuerfragen. Neue Bücher werden teilweise nach Wunschlisten der Leser gekauft. „Man kann in eine Book-Bunk-Bibliothek gehen und einfach Spaß haben“, sagt der Kulturwissenschaftler Kimani Njogu, der am Oral-History-Projekt der Organisation mitgearbeitet hat. „Es muss nicht immer um die Schule gehen.“

Das Mittagessen

Nach der Wiedereröffnung blieben Kinder den Programmen fern. Als die Mitarbeiter nach dem Grund fragten, erklärten es die Eltern. Es ging ums Mittagessen. Die Kinder sollten mittags zum Essen nach Hause kommen, und der Weg hin und zurück machte die Teilnahme an den Programmen unmöglich.

Eine Bibliothek hätte darauf mit einem Plakat zur Anwesenheit reagieren können. Diese fing an, Essen auszugeben. Nach Angaben des World Resources Institute sind seitdem mehr als 140.000 kostenlose Mahlzeiten an Kinder gegangen.

Die übrigen Zahlen stammen von Book Bunk selbst und sind entsprechend zu lesen. Die Organisation meldet mehr als 192.000 direkte Nutzer der beiden restaurierten Bibliotheken und rund 45.000 Teilnehmer an kostenlosen Bildungs-, Kunst- und Gesundheitsprogrammen. Die Besucherzahlen seien um mehr als 240 Prozent gestiegen, die Restaurierung habe 93 Arbeitsplätze geschaffen, 21 davon dauerhaft, und über 400 örtlichen Lieferanten Aufträge gebracht. Katalogisiert wurden 138.000 Bücher, 23.000 Titel kamen neu hinzu, zehn Bücher afrikanischer Autoren wurden in Brailleschrift übertragen. 2025/26 gehörte das Projekt zu den fünf Finalisten des WRI Ross Center Prize for Cities. Gewonnen hat es nicht; der Hauptpreis ging an ein Verkehrsbündnis auf den Philippinen.

Warum ein Haus mit Strom ein Viertel verändert

Der amerikanische Soziologe Eric Klinenberg beschäftigt sich seit Jahren mit einer Frage, die weit weg von Nairobi zu liegen scheint. Im Juli 1995 tötete eine Hitzewelle in Chicago binnen etwa einer Woche mehr als 700 Menschen. Klinenberg verglich zwei benachbarte Viertel der South Side, Englewood und Auburn Gresham. Sie haben dasselbe Mikroklima; beide sind arm, in beiden leben viele alte Menschen allein. In Englewood lag die Sterberate bei etwa 33 pro 100.000 Einwohner. In Auburn Gresham waren es 3, weniger als in vielen wohlhabenden Gegenden der North Side.

Was Auburn Gresham noch hatte und Englewood verloren hatte, waren kleine Läden und belebte Gehwege, die alte Menschen aus ihren Wohnungen hinaus unter Leute lockten. Englewood war über Jahrzehnte des Verfalls ausgeblutet, und die Älteren dort verließen ihre Wohnungen nur ungern. Klinenberg nennt den Unterschied soziale Infrastruktur. In einem späteren Buch, Palaces for the People, stellt er die öffentliche Bibliothek in ihren Mittelpunkt, und Book Bunk hat die Formulierung für das eigene Leitbild übernommen.

Sunils Geschichte passt gut dazu. Einen Job hat ihm die Bibliothek nicht gegeben. Sie gab ihm Licht, eine Verbindung und Freunde, die auf dasselbe hinarbeiten. Nebenbei kamen gelegentlich bezahlte Aufträge, Blogtexte und Webseiten, und damit, sagt er, das Gefühl, dass er „langsam finanziell stabil wird“. „Es geht eigentlich nicht nur um den Raum“, sagt er. „Für mich hat das alles verändert.“

Was noch niemand gemessen hat

Die Einschränkungen kommen von den Leuten, die das Projekt betreiben. Bisher zählen die Zahlen Besuche, und Besuche sagen wenig darüber, was sich danach verändert hat. Sharon Tarus, bei Book Bunk für Kommunikation zuständig, sagt, man habe Ausgangsdaten erhoben und „weiß, dass die Beschäftigung gestiegen ist“, nur beziffert habe man es noch nicht. Njogu, der das Projekt schätzt, meint, eine echte Auswertung müsse Besuche, Aktivitäten und den Blick der Anwohner auf ihr Viertel vor und nach der Restaurierung vergleichen. Das hat noch niemand getan.

In den Schulferien wird es in Eastlands so voll, dass Sunil manchmal keinen Platz mehr findet. Rund 600 Kinder bewerben sich um Ferienangebote, die etwa 200 aufnehmen können. Wenn die Spenden nicht reichen, sagt Tarus, werden Programme gekürzt, nur damit die Türen offen bleiben.

Am schwierigsten ist die Partnerschaft mit dem County. Genehmigungen können Jahre dauern, und nach jeder Wahl kommen neue Beamte, mit denen die Beziehung von vorn aufgebaut werden muss. „Auf dem Papier sollte es für diese Bibliotheken jedes Jahr einen Haushaltsposten geben“, sagt Tarus, „aber in der Praxis kommt das nicht an.“ Njogu warnt, wohin das führt. Das County zieht die Steuern ein und bleibt für die öffentliche Versorgung verantwortlich, und eine gemeinnützige Organisation sollte nicht stillschweigend zu seinem dauerhaften Ersatz werden.

Die Anleitung

Jetzt will Book Bunk die Idee über Nairobi hinaustragen. Die Organisation hat 1.196 öffentliche Bibliotheken in ganz Kenia kartiert, das erste vollständige Bild des Bibliothekswesens im Land, und schreibt ihre Erfahrungen zu einem Leitfaden zusammen, dem Book Bunk Blueprint. Njogu rät, mit ein paar Countys anzufangen und „als Institution nicht zu schnell zu wachsen“. Er hält das Modell für übertragbar auf Städte wie Daressalam oder Kampala, die schnell wachsen, halb leere alte öffentliche Gebäude haben und zu wenige kostenlose Orte, an denen junge Leute lernen können.

Übertragen lässt sich eher eine Gewohnheit als ein Grundriss: die fragen, die wegbleiben, warum, und dann das beheben, was sie nennen. Manchmal ist die Antwort das Mittagessen.

Quellen

Weiterlesen

Besprechen Sie diesen Artikel

Beteiligen Sie sich an der Diskussion in unserem Community-Forum.

Forum öffnen
🤖

Alexandra

Skriv för att prata med en person